Predigt am 1.3.2026

Interaktive Predigt von Pfarrerin Dace Dišlere-Musta

Röm 5, 1-5

Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus. Durch ihn haben wir auch den Zugang im Glauben zu dieser Gnade, in der wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung auf die Herrlichkeit, die Gott geben wird. Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Bedrängnisse, weil wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung, Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.

Liebe Gemeinde,

manchmal bekommt man beim Lesen der Bibel das Gefühl, dass Leid und Schwierigkeiten als etwas Schönes dargestellt werden. Diese Stellen machen uns unsicher. Ist das so einfach mit schweren Erfahrungen? Bringen sie immer nur gute Ergebnisse?! Es gibt genug Menschen, die an Schwierigkeiten zerbrochen sind. Paulus erzählt aber von der Kraft des Glaubens, die dabei entscheidend ist. 

Wir leben in einer Gegend, in der in den letzten 50 Jahren sehr viele Arbeitsstellen verloren gegangen sind. Darüber erzählen viele Lebensgeschichten.

Eine von vielen erlebte Situation: Frau, Ende fünfzig, kurz vor der Pension.

Ihr ganzes Leben hat sie in einer Fabrik im oberen Waldviertel gearbeitet. Die Arbeit war vertraut, die Arbeitskollegen wie die eigene Familie. Einen Computer hat sie nie gebraucht.

Dann kam die Schließung. Von einem Tag auf den anderen war alles anders. Kein Wecker mehr um fünf Uhr. Kein Arbeitsplatz. Kein Gespräch in der Pause. Stattdessen nur die eigenen vier Wände.

Mit dem Verlust der Arbeit kam eine Frage: Bin ich noch gebraucht, wertvoll? Habe ich noch einen Platz?

Ich möchte dir/euch an dieser Stelle eine einfache Frage stellen:

Hast du schon einmal erlebt, dass etwas im Leben plötzlich weggebrochen ist?

Vielleicht die Arbeit. Vielleicht die Gesundheit. Vielleicht ein Mensch.

 

Zurück zu der Frau. Sie begann beim Arbeitsamt einen Computerkurs.

Es war mühsam, weil jeder Schritt neu gelernt werden musste.

Sie machte Fehler, sie schämte sich oft. Und doch blieb sie dran.

Langsam wuchs etwas in ihr und sie blieb geduldig.

Sie entdeckte in sich eine neue Stärke. Je stärker sie sich fühlte, desto größer wurde ihre Hoffnung, dass ihr beruflicher Weg weitergeht. Ich glaube - genau ihre Hoffnung hat aus ihrer Geschichte eine Erfolgsgeschichte gemacht. Es konnte gar nicht anders sein, denn wer im Frieden mit sich selbst die Hoffnung bewahrt, der ist immer auf dem Weg zu seinem Ziel.

Paulus schreibt im Römerbrief über drei Schritte in denen man zu einem hoffnungsvollen Menschen werden kann:

Bedrängnis bringt Geduld.

Geduld bringt Bewährung.

Bewährung bringt Hoffnung.

Das klingt wie ein Weg. Das ist kein wundersamer Sprung - wie wir es manchmal von Gott erwarten würden - von Bedrängnis zur Hoffnung, sondern einzelne Schritte, in denen das Ergebnis erst gar nicht sichtbar ist.

Unsere Bewegung Richtung Lösung fängt mit der Geduld an. Frage an dich/euch?

Wo brauchst du im Moment in deinem Leben Geduld?

Wenn wir definieren müssten, was Geduld ist, vielleicht wäre es eine Situation, in der das Ergebnis überhaupt nicht in Sicht ist und wir trotzdem dranbleiben. Geduld wächst aus den Tiefpunkten des Lebens. Geduld ist die Schwester des Friedens. In allen Lebenssituationen, die uns nicht optimal erscheinen, können wir entweder schreien, um uns herumschlagen und kämpfen oder leise vor Gott werden. Vor dem Gott des Friedens, wenn wir das glauben können.

Paulus spricht vom Frieden mit Gott. Das ist ein Geschehen im Herzen jedes Einzelnen. Mit ihm beginnt der Frieden auch in der Welt.

Auch wenn wir das verstehen können - t sind wir rotzdem manchmal ungeduldig, und dann herrscht kein Frieden in uns. Wer mit sich selbst hadert, bringt keinen Frieden in die Welt.

Oft fällt es uns schwer, mit uns selbst geduldig zu sein. Für andere haben wir in dieser Hinsicht wesentlich mehr Herz. Doch genau die wohlwollende Geduld mit uns selbst ist die Quelle für den Frieden in dieser Welt. Sie ist unzertrennlich verbunden mit unserem Glauben.

Wir können uns nicht einfach selbst freisprechen von unseren Ansprüchen an uns selbst. Wir brauchen ein Gegenüber.

Wir brauchen jemanden, der sagt: "Du bist angenommen. Du darfst neu beginnen. Dir wird es gelingen!" genau in den Momenten, in denen alles dagegenspricht. Wir brauchen das Wohlwollen Gottes zu uns. Es ist der eigentliche Anfang. Er liegt nicht bei uns, er liegt bei Gott. Das ist die Erfahrung, geliebt zu sein ohne jeglichen, auch nur den geringsten Verdienst. Diese Erfahrung bringt Frieden in uns. Es fühlt sich an wie Wasser auf ausgetrockneter Erde. So wohltuend!

Gottes Liebe zu uns ist die Antwort auf allen Unfrieden dieser Welt.

Für Paulus ist darum Jesus so wichtig. In ihm wird Gottes Annahme sichtbar. Unabhängig von Leistung oder Ansehen. Absolut bedingungslos.

Frage an dich/euch:

Wie leicht fällt es uns erwachsenen Menschen zu glauben, dass wir so angenommen werden - auch mit unseren Fehlern?

Genau damit fängt der Frieden in dieser Welt an. Wer sich angenommen weiß, wird ruhiger, entspannter, präsenter. Er freut sich, da zu sein. Er muss sich nicht hinter klugen Worten oder eigenen Verdiensten verstecken.

Wer sich selbst zu vergeben weiß, muss keine Fehler mehr bei anderen suchen.

In einer kleinen Stadt kennt man einander. Man weiß viel voneinander. Man spricht auch über vieles.

Wir haben das Glück, Menschen zu begegnen, die durch Geduld und Hoffnung um sich Frieden verbreiten. Das sind die Menschen, die den unsichtbaren Frieden Gottes sichtbar in diese Welt tragen. Von diesen Menschen lernen wir. Nicht immer gelingt es uns selbst, die Geduld zu bewahren und den inneren Frieden in einer unruhigen Welt zu leben.

Darum eine ganz konkrete und praktische Frage:

Wem in eurem Umfeld könntet ihr in den nächsten Tagen bewusst mit mehr Geduld begegnen?

Wir gehen auf Ostern zu.

Woche für Woche nähern wir uns einem Ereignis, das die Welt für immer verändert hat. Gott hat sich so gezeigt, wie kein Mensch es sich vorstellen konnte. Durch einen Gekreuzigten. In der Passionszeit können wir entdecken, dass die Hoffnung auch dort wachsen kann, wo wir die Situation als hoffnungslos betrachten.

Die Passionszeit fordert von uns viel Geduld. Die Zeit, bevor der Frühling kommt, scheint mühsam, und die Wintermüdigkeit tut ihr Übriges. Und genau in dieser Zeit können wir erfahren, dass Ereignisse, die unsere Geduld fordern, unser Leben, unsere Persönlichkeit und unseren Glauben reifen lassen.

Wenn die Bibel über die Schwierigkeiten spricht, spricht sie die Lebensrealität der Menschen an. Sie nimmt uns die Angst vor Schwierigkeiten und Herausforderungen durch ihr Vorbild. Viele Bibeltexte trösten uns.

In der Passionszeit üben wir, aus dem inneren Leid und aus den Schwierigkeiten hinauszugehen und zu lernen, aus Frieden und Hoffnung heraus zu leben. Es ist so, als würden wir die alte Brille des Leides ablegen dürfen und eine Brille des Friedens und der Hoffnung für uns anfertigen. Die Passionszeit ist eine Möglichkeit, diesen Prozess durchzuleben. Dadurch verändern wir die Welt. Dadurch bringen wir die Botschaft Jesu in diese Welt. Dadurch leben wir den Glauben, der wie ein Wassertropfen unsere Seele lebendig macht. Wir sind verbunden mit dem, der uns als Erster geliebt hat, bevor wir geduldig, hoffungsvoll oder friedfertig wurden. In Jesus fängt nicht nur unsere Erlösung an, sondern auch die Veränderung. Gott fordert nichts von uns - er tut es für uns. Das dürfen wir in der Passionszeit so intensiv erleben wie sonst nie. Schritt für Schritt, Woche für Woche, mit Blick auf Ostern. So erleben wir die Passionszeit mit der Hoffnung auf das Unmögliche, das doch geschehen wird.

Amen.

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